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CO₂-neutrale Produktion – Wunschdenken oder machbarer Plan?

Im Interview: Daniel Waibel, Leiter Strategie, Qualität & Produktion der bmk Gruppe.

Mission: CO₂-neutrale Produktion – erklärtes Ziel der bmk Gruppe. Wie um alles in der Welt wollt ihr das realisieren? Die Rohstoffgewinnung ist bekanntermaßen besonders energieintensiv. Ist das realistisch?

Die eigentliche Frage ist nicht das Wie, sondern das Warum. Wir sind keine Heiligen, sondern eine Unternehmensgruppe mit zehn Unternehmen und über 200 Mitarbeitenden. Wir arbeiten gewinnorientiert – aber mit Verantwortung.

Unsere Unternehmen beschäftigen sich mit Rohstoffgewinnung, Baustoffproduktion, Baustellenlogistik, Recycling, Entsorgung, Rekultivierung und Renaturierung – wir decken die gesamte Kreislaufwirtschaft ab. Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern eine Notwendigkeit.

Wir leben von der Natur und sind auf sie angewiesen. Deshalb behandeln wir sie mit größtem Respekt. Dazu gehört auch, dass wir unsere Produktion nachhaltiger gestalten. Es gibt konkrete Stellschrauben, um den CO₂-Ausstoß Schritt für Schritt zu senken. Und genau da setzt unsere Strategie an.

22.05.2025

Welche Stellschrauben sind das? Wie geht ihr vor?

Schon bevor es verpflichtend wurde, haben wir uns der jährlichen Zertifizierung nach ISO 50001:2018, der internationalen Norm für Energiemanagementsysteme, unterzogen – und das jedes Jahr erfolgreich. Die CO₂-Reduktion ist für uns nicht nur ein Ziel, sondern eine messbare Verpflichtung.

2024 haben wir allein durch die Nutzung von klimafreundlichem HVO-Diesel 45.000 kg CO₂ eingespart. Unser Maschinen- und Fuhrpark wird schrittweise umgestellt. Unsere neue Kehrmaschine, die Werks- und Zufahrtsstraßen reinigt, fährt ausschließlich mit HVO-Diesel.

Apropos Maschinenpark: Wir investieren jedes Jahr in moderne Technologien. Unsere großen Muldenkipper, Radlader, Bagger und Dozer haben hohe Verbräuche – aber durch effizientere Technik und optimierte Prozesse senken wir den Energieeinsatz deutlich. Zukünftig sehen wir zusätzliches Einsparpotenzial durch automatisierte und autonome Maschinen – etwa durch präziser gesteuerte Abläufe, geringere Leerlaufzeiten und optimierte Fahrwege.

Auch unsere Produktionsanlagen entwickeln wir weiter: Effizienz steigern, Energieverbrauch senken.

Woher bezieht ihr euren Strom?

Gute Frage. In den Werken Dallau und Talheim sind neue Solaranlagen geplant. Zusätzlich werden wir große Teile unseres Strombedarfs über den neuen Solarpark der ZEAG und der EE BürgerEnergie Talheim decken. Die Anlage ist bereits im Bau – ein echter Gamechanger.

Das sind nur einige unserer Maßnahmen. Wir suchen kontinuierlich nach Einsparpotenzialen in allen Bereichen, um unser Ziel der CO₂-neutralen Produktion zu erreichen.

Wichtig ist uns auch dieser Aspekt: Unsere Renaturierungs- und Kultivierungsmaßnahmen schlagen sich zwar nicht direkt in der CO₂-Bilanz nieder, leisten aber dennoch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.
Denn sie wirken langfristig: Sie schaffen Lebensräume, fördern die Biodiversität – und binden durch natürliche Vegetation und Bodenprozesse CO₂.

Was bedeutet das konkret?

Zwei Beispiele: In Gundelsheim haben wir über 130.000 klimaresistente Bäume gepflanzt – ein Wald, der für die Zukunft gewappnet ist. Oder im Steinbruch Talheim: Eine neu aufgefüllte Fläche wurde dort als Weinberg kultiviert – mit pilzresistenten Rebsorten. Das geschieht in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, um nachhaltigen Weinbau unter realen Bedingungen zu erforschen.

Was sagst du denen, die hinter diesem Engagement eine Imagekampagne vermuten?
Ganz ehrlich? Sie haben nicht ganz unrecht. Natürlich arbeiten wir auch an unserem Image – und das ist wichtig. Denn wer heute in der Rohstoffgewinnung tätig ist, steht unter Beobachtung. Aber unser Engagement geht tiefer: Es geht nicht nur um öffentliche Wahrnehmung, sondern um Verantwortung. Uns ist bewusst, wie grundlegend unsere Arbeit für die Gesellschaft ist – und wie groß die Erwartungen an nachhaltiges Wirtschaften geworden sind.

Wir wollen diesen Wandel mitgestalten. Steinbrüche gibt es seit Jahrtausenden – einer der ältesten ist Göbekli Tepe in der Türkei (ca. 9600 v. Chr.). Auch die Pyramiden wurden mit Material aus Steinbrüchen gebaut. Heute wissen viele Menschen kaum noch, woraus Straßen, Gebäude oder sogar Zahnpasta bestehen. Gleichzeitig glauben manche, recycelte Baustoffe allein würden reichen.

Unsere Aufgabe ist es, Brücken zu bauen – zwischen moderner Rohstoffgewinnung, Klima- und Ressourcenschutz und gesellschaftlicher Akzeptanz. Für mich ist das nicht nur eine wirtschaftliche Frage. Als Familienvater denke ich an die Zukunft unserer Kinder. Jeder Beitrag zählt.

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