bmk Gruppe

Ich bin der wahrscheinlich entspannteste Mensch der Welt

Thomas Wess, eine Koryphäe im Großkranfahren, zieht die Reißleine, beendet den zehnjährigen Dauerstress und ist jetzt wahrscheinlich der entspannteste Mensch auf der Welt. Er ist mit 59 Jahren nicht in den Vorruhestand gegangen, sondern lernt seit einem Jahr, im Steinbruch in Mundelsheim neue Maschinen zu fahren, lässt sich jeden Tag neu fordern und fördern und weiß heute, was positiver Stress ist.

10.01.2024

Seit einem Jahr arbeiten Sie in der bmk Gruppe – genauer gesagt bei der KE in Mundelsheim. Was haben Sie vorher gemacht?

Ich habe einen der größten mobilen Kräne – den Turmfaltkran* Spierings SK1265, mit einer Hakenhöhe von fast 70 Metern bedient. Das war ein echtes Monster, welches ich perfekt beherrscht habe. Mit meinem 72-Tonner auf sechs Achsen bin ich bis in die kleinste Ecke auf öffentlichen Straßen gekommen. Ich war viel auf der Straße unterwegs – Schwertransport Begleitung – und mit dem Spierings Kran auf Baustellen. Das war eine sehr große Verantwortung, aber auch sehr viel Stress. Irgendwann ist mir das zu viel geworden, und ich musste die Reißleine ziehen.

Ein ehemaliger Kollege, welcher die Situation im Bau- und Krangewerbe sehr gut kennt, hatte bereits bei der bmk angeheuert und empfahl mir, wenn es nicht mehr geht, zu ihnen zu wechseln.

Sie kamen auf Empfehlung. Wie lief das Vorstellungsgespräch ab?

Ich kam natürlich gut gekleidet, so wie sich das gehört. Nach einem entspannten Gespräch mit dem Werksleiter meinte dieser, dass er mir jetzt die Produktion zeigen möchte, ich aber dafür nicht richtig angezogen sei. Ich entgegnete, dass mir Dreck nichts ausmachen würde. Das hätte ich besser nicht gesagt. Ich hatte noch keine Ahnung, was Dreck ist. Trotzdem bin ich schnell nach Hause gefahren und habe mir meine Arbeitsklamotten angezogen und bin zurück ins Werk. Und es stimmte, Dreck ist nicht gleich Dreck. Das hätte ich nicht gedacht. Jedenfalls bin ich dann gleich beim ersten Kontakt eine Dreiviertelstunde mit einem Muldenkipper mitgefahren. Das tolle Gespräch direkt mit dem Werksleiter und die Atmosphäre bei der KE haben mich sofort überzeugt. Ich habe dann einfach zum 1. Dezember 2022 dort angefangen.

Das war ein Wechsel in eine branchenfremde Tätigkeit.

Der Wechsel war unproblematisch, denn ich wurde langsam herangeführt. Man hat mir Schritt für Schritt immer mehr Vertrauen geschenkt. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe, obwohl ich zuerst gedacht hatte, das könnte auch in die Hose gehen. Am Anfang hatte ich doch viel Skepsis und auch Bauchschmerzen. Aber mittlerweile freue ich mich, jeden Tag zur Arbeit zu gehen.

Mit den Kollegen komme ich bombenmäßig aus. Das Betriebsklima ist spitze, ich habe hier im ganzen Betrieb noch keinen schreien hören. Hier läuft alles geschmeidig in einer Grundruhe. Auch beim größten Stress. Vorher hatte ich Dauerstress. Hier in der bmk Gruppe haben wir positiven Stress. Wir wissen, dass die Arbeit getan und das Geld verdient werden muss. Aber wir tun es Hand in Hand und professionell. Selbst bei schlechtem Wetter, wenn die Bedingungen nicht optimal sind, haben wir Spaß. Da tut man sich leicht.

Was haben Sie alles Neues gelernt?

Angefangen habe ich mit dem Fahren der großen Mulde und des Dumpers. Als absoluter Neuling hatte ich von den Abläufen in einem Steinbruch keine Ahnung. Diese habe ich aber mit der Zeit gelernt. Schon bald war mir das zu wenig. Ich wollte mich noch mehr einbringen.

Das Lernen macht weiterhin richtig Spaß. Ich fahre jetzt auch Lader. Wenn Sie sehen, wie elegant die Vollprofis mit den Fahrzeugen umgehen, das ist eine Augenweide. Das sieht so spielerisch aus – das wollte ich auch können. Und dann sagt dir einer: „Mach doch einfach mal.“ Dieses Vertrauen und den Zuspruch, der einem gegeben wird, ist super. Ich fühle mich pudelwohl. Ich werde quasi für das Lernen bezahlt. Eine große Begeisterung für Maschinen hatte ich schon immer. Das ist hier fantastisch.

Erzählen Sie es nicht weiter, aber das hier ist ein riesengroßer Männerspielplatz – eigentlich „Betreutes Spielen“.

Damit will ich nicht sagen, dass dies hier nur ein Spiel ist. Nein, wir machen hier professionelle Arbeit. Sie macht halt richtig Spaß.

Ich habe ja schon vorher große Maschinen gefahren und hatte eine gewisse Ahnung, aber die Vielzahl der Maschinen, die im Steinbruch genutzt werden, und deren Aufgaben und Zusammenspiel sind deutlich anspruchsvoller. Früher bin ich sozusagen in den Kindergarten gegangen, und heute arbeite ich als Chirurg im OP. So kann man das in etwa vergleichen.

Man strebt, lernt und lernt immer mehr. Man bekommt stetig mehr Verantwortung, weil man beweist, dass sie einen schaffen lassen können. Das macht mich richtig stolz, dass ich Teil dieses „eleganten Tanzes“ bin.

Sie beschreiben den Wechsel zwischen Dumper, Mulde, Lader und Co. geradezu poetisch. Was hat sich für Sie persönlich verbessert?

Ich habe pünktlich Feierabend. Das war früher auf der Baustelle nicht möglich. Zudem musste ich Lenk- und Ruhezeiten einhalten. Das führte häufig dazu, dass ich erst spät nach Hause kam. Ich hatte extrem viele Überstunden und einen hohen Druck.

Meiner Meinung nach lastet zu viel auf den älteren Arbeitnehmer*innen. Die Jüngeren haben nicht das Arbeits- und Verantwortungsgefühl wie die Älteren. Wer fachlich kompetent ist, rutscht schnell in die Zwickmühle. Du weißt alles und kannst alles, dann lassen sie dich alles machen. Irgendwann ist das zu viel.

In der bmk Gruppe wird genau darauf geachtet.

Auch samstags bin ich daheim! Bei Bedarf arbeite ich auch für die bmk Gruppe samstags. Aber das Arbeiten ist hier ein ganz anderes.

Am Anfang wusste ich gar nicht, was ich mit meiner freien Zeit anfangen sollte. Mein Zeitgefühl kam so durcheinander, dass ich viel zu früh ins Bett ging. Zwischenzeitlich habe ich dieses Luxusproblem gelöst und mache beispielsweise wieder mehr in meiner privaten Werkstatt. Das genieße ich sehr. Ich glaube, ich bin der entspannteste Mensch auf der ganzen Welt.

Was ich auch nicht wusste, ist, wie viel Natur in einem Steinbruch zu finden ist. Unglaublich, wie viele Vögel man hier sieht, wie viele Eidechsen, Erdkröten, Frösche und andere Tiere unterwegs sind. Das hier ist ein riesiges Biotop. Das sehe ich heute wieder. Ich kann Natur beobachten. Wenn zum Beispiel in der Früh hier Ruhe herrscht, rennen hier manchmal fünf bis sechs Hasen herum. Unfassbar.

Dass Sie mit fast 60 Jahren in einem neuen Unternehmen beginnen, einem Alter, in welchem andere in Rente gehen, war kein Thema?

Mein Alter spielte überhaupt keine Rolle. Ich arbeite bis 67 Jahre. Und die Arbeitsbedingungen hier und das Umfeld machen es mir viel einfacher. Ich werde gerne gebraucht, und auf mich kann man zählen. Für meine Gesundheit ist die neue Arbeit ohnehin eine enorme Verbesserung. Wenn ich dann irgendwann in Rente gehen sollte, dann habe ich auch noch was von ihr.

War es eine gute Entscheidung?

Ja, das war eine sehr gute Entscheidung.

* Mobiler Turmfaltkran Spierings SK1265 bestehen aus einem Unterwagen mit 6Achsen, und einen Oberwagen auf dem der Kranturm drehbar befestigt ist.

Vielen Dank an Thomas Wess für das Interview

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AUSZUG NEUEINSTELLUNGEN

Stefan Dörner
Referent Sonderprojekte

52 Jahre
Seit Juni 2023
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